
Wer auch den dritten Band der großen Familien-Trilogie von Christian Berkel zur Hand nimmt, der erfährt nun die Lebensgeschichte des Schauspielers selbst – wieder auf reale bis fiktive Weise, wieder in Verflechtung von persönlicher Geschichte und Zeitgeschichte. Im Mittelpunkt stehen die Fragen des Lebens eines jungen Menschen der 1960er/1970er Jahre zwischen familiärer Bindung und Abnabelung. Und wie schon im zweiten Band „Ada“ kommen auch in „Sputnik“ die Musikheroen der Zeit – an mehreren Textstellen die Rolling Stones – zur Sprache. Eine der Stellen, hier auf Seite 42, geht so:
„An anderen Tagen warf ich, die Gitarre in der Hand, … meinen Kopf in den Nacken, um ein Rolling Stone zu sein, ohne die Verwandtschaft von Mick Jagger und Mephisto zu ahnen. Sympathy for the devil sollte erst drei Jahe später herauskommen. Ein Rolling Stone. Dafür schien mir der Gitarrenunterricht das rechte Mittel. Ada hatte mir von den Stones erzählt. Zu meinem siebenten Geburtstag hatte sie mir ihr zweites Album geschenkt. Mein Vater hielt von den Stones nichts. Er nannte sie Gammler oder Langhaarige. Ich versteckte die Platte und hütete sie wie einen verwunschenen Schatz.“
Wer wird durch solche Zeilen nicht an seine Jugend und frühe Stones-Begeisterung erinnert?!
Christian Berkel: Sputnik. Berlin: Ullstein Verlag, 2025, 382 Seiten
Wolfgang W. Schüler