Was verbindet die Rolling Stones mit Bubenreuth, der Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt? Bill Wyman, Stones-Mitglied von 1962 bis 1993, schwor auf seine Framus-Bassgitarren aus Bubenreuth. In seinem ehemaligen Londoner Restaurant „Sticky Fingers“ stellte er gleich drei Modelle aus.
Dass Bubenreuth Blickpunkt und Anlaufstelle amerikanischer und britischer Großhändler für Streich- und Zupfinstrumente war, verdankte es seiner Einwanderungspolitik der 1940er/1950er Jahre. Da entschied der Gemeinderat einstimmig, 2.000 Heimatvertriebene aufzunehmen – bei einer bisherigen Einwohnerzahl von knapp 500. Ansässig wurden Geigenbauer und ihre Familien, die aus der renommierten Musikstadt Schönbach im Eger-/Sudetenland (heute Luby, Tschechische Republik) stammten und ihre Kenntnisse und Fertigkeiten des Instrumentenbaus mitbrachten. Es kam zu zahlreichen Firmengründungen und etwa 150 Betriebseröffnungen – in Bubenreuth, aber auch in Erlangen und Umgebung. Aus „Made in Č.S.R.“ wurde „Made in Germany“ bzw. „Franconia“.
Der forcierte Bau speziell von akustischen und nun auch elektrischen Gitarren hatte mit deren Boom ab den 1950er Jahren zu tun. Der von den Nationalsozialisten verfemte Jazz wie auch der aufkommende Rock’n’Roll eroberten Europa in Windeseile; überall wurden Bands und Combos gegründet. Viele namhafte Gitarristen kamen nach Bubenreuth und Erlangen, wo 1957 der 19. Internationale Gitarristenkongress abgehalten wurde. Gitarren der Firmen Klira, Framus, Hoyer, Höfner sollten von vielen Rockstars gespielt werden, unter ihnen Ritchie Blackmoore, Gary Moore, Andy Summers und Peter Green. Paul McCartney hatte eine Bubenreuther Bassgitarre in einem Hamburger Musikgeschäft entdeckt gehabt; für ihn wurde eigens ein Linkshänderbass konstruiert.
Der Bubenreuther Instrumentenbau erreichte Mitte der 1960er Jahre seinen Zenit. Danach setzte ein deutlicher Abwärtstrend ein. Der allgemein abklingende Gitarrenboom sowie aufkommende Konkurrenz aus den USA, Japan und dem „Ostblock“ sicherten in erster Linie nur Meisterbetrieben des Instrumentenbaus und Spezialbetrieben für Zubehör- und Bestandteilen ein Überleben.
Wer in die Nähe kommt – Bubenreuth liegt etwa 25 km nördlich von Nürnberg –, der sei auf die interessante Dauerausstellung im Rathaus (Untergeschoss), Birkenallee 51 verwiesen, die sonntags von 14:00 bis 17:00 Uhr geöffnet ist – siehe www.bubenreutheum.de. Ein Umzug in den räumlich großzügigeren „Kulturhof H7“ ist geplant.
Wolfgang W. Schüler