
Es war schon immer interessant, in die Soloalben sowohl der Mitglieder als auch der Begleitmusiker der Rolling Stones reinzuhören, um mehr über deren musikalische Stilbreite zu erfahren. Nun jährt sich am 3. September ein Konzert von Chuck Leavell zum 15. Mal, das dieser 2011 in Deutschland gab. Und zwar im Schloss Wolfsgarten in Langen bei Frankfurt am Main, gemeinsam mit der Frankfurt Radio Big Band (hr-Bigband) unter der Leitung von Ed Partyka. Und so heißt die später erschienene, bei YouTube eingestellte CD auch „Chuck gets big“.
Leavell, Pianist/Keyboarder, Songwriter/Sänger und seit 1982 auf Aufnahmen und bei Konzerten der Stones zu hören, präsentiert hier ein Crossover aus Rock, Southern Rock, Blues, Boogie, Swing und Jazz und das im weiten Gewand eines renommierten Orchesters: elegant, dynamisch, kraftvoll. Da finden sich neben eigenen Kompositionen neu interpretierte Klassiker aus Leavells Karriere bei der Allman Brothers Band, seiner eigenen Band Sea Level und den Rolling Stones – von letzten die Songs „Honky Tonk Women“ und „Tumbling Dice“, der sich durch besondere Spiel- und Gesangsfreude sowie Temposteigerung auszeichnet. Aber auch das von den Stones in ihren Anfangsjahren häufig interpretierte „Route 66“ findet sich unter den 13 Stücken der CD..
„Chuck gets big“ ist ein beeindruckendes Werk, das die musikalische Vielseitigkeit von Chuck Leavell bestens unterstreicht. Zum Konzertabend selbst meinte er: „Das Publikum war großartig, die Kulisse surreal und belebend, und alle schienen ‚den Geist‘ zu spüren. – Dieses Konzert war eines der unvergesslichsten meiner Karriere.“ Gleichwohl entzieht es sich beim heutigen Anhören dem Live-Eindruck, wie er sich bei einem Freiluft-Konzert vor 1000 Zuhörern für gewöhnlich einstellt. Leavell erklärte zu den Aufnahmen: „Ich war beeindruckt von der Klangqualität, der Klarheit der Aufnahme und der überraschenden Trennung der Instrumente, die die Tontechniker erreicht hatten – was die Möglichkeit eines Remixes des Konzerts eröffnete. Sogar der Applaus des Publikums war klar abgetrennt. Also beschloss ich, das Ganze im Studio unter die ,Lupe‘ zu nehmen und mit den Möglichkeiten zu spielen. Ich beschloss, zu versuchen, es weniger wie ein typisches Live-Album klingen zu lassen und mich mehr auf die Darbietung zu konzentrieren. Daher habe ich den Applaus des Publikums aus der Aufnahme herausgelassen, damit es eher wie eine Studioaufnahme klingt. Ich wollte, dass es so wirkt, als würde jemand einen schönen Raum betreten und ein privates Konzert nur für sich selbst erleben. Das haben wir umgesetzt, und hier ist das Ergebnis.“
Die CD erschien 2018 bei BMG.
Wolfgang W. Schüler