Promo-Maxi-Single erschienen

Was für ein Coup!! Da tauchten in London Plakate mit der Aufschrift „The Cockroaches“ (Die Kakerlaken) und einem QR-Code auf. Wer diesen einscannte, gelangte zu einer Website, auf der ein Zimmer im Stil der 1960er Jahre abgebildet war. Links in der Ecke eine Schallplatte: unbedruckte weiße Hülle, Mittelloch, weißes Plattenlabel mit schwarzem Aufdruck „The Cockroaches“.

Halt, da war doch was! „The Cockroaches“ ist der Name einer australischen Rockband – doch nicht nur: Auch die Rolling Stones waren unter diesem Pseudonym zu kleinen Warm-up-Konzerten in Clubs aufgetreten. Dazu passend: Im Impressum der Website war „Universal Music“, die Plattenfirma der Stones genannt. Und das Zimmerbild zeigte auch ein T-Shirt mit der Aufschrift „Who the fuck are The Cockroaches?“, das stark an jenes Textil erinnerte, das Ron Wood einst mit der Frage „Who the fuck is Mick Jagger?“ getragen hatte.

Wer nun auf die abgebildete Plattenhülle klickte, bekam GPS-Daten von ausgewählten Plattenläden rund um den Globus angezeigt – darunter Michelle Records in Hamburg und Space Hall in Berlin, wo die Scheibe, eine limitierte Maxi-Single, am 11. April um 10 Uhr in den Verkauf ging. Die wenigen Exemplare waren schnell weg, sehr zum Leidwesen der vielen Wartenden. Der hiesige Ladenpreis von 10,07 Euro wiederum war wohl keine zufällige Vorgabe an die Ladeninhaber gewesen, sondern konkreter Hinweis auf das geplante Erscheinungsdatum des neuen Stones-Albums, den 10. Juli.

Was der Opener musikalisch bietet? Nun, die Single „Rough and twisted“ ist Bluesrock mit Mundharmonika, „Gitarren, die beißen, und ein Groove, der unter die Haut geht“, so AD HOC NEWS, retro und modern zugleich, nicht überproduziert.

Ob man derweil das Marketing des Stones für übertrieben hält (Deutschlandfunk) oder nicht – für Paul Field, den Sänger der australischen „Cockroaches“ ist es „in Ordnung“ (SPIEGEL kultur), gewiss auch gute Werbung in eigener Sache. Ansonsten laufen – und das war wohl beabsichtigt – Presse, Social Media und Stones-Fans heiß. Ad HOC News bringt es auf den Punkt: „moderner Schatzsuche-Trick“, „keine Pressemitteilung, kein Instagram-Post – einfach Action“, „Junge Creator remixen den Track, ältere Fans posten Nostalgie. Das verbindet Generationen – pure Popkultur-Magie.“

Wolfgang W. Schüler

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