
Das neue Album der Rolling Stones ist – nach den vorangegangenen Single-Auskoppelungen – kaum erschienen, da haben sich nun auch die letzten Kritiker zu Wort gemeldet. Dass die Schere verlauteter Meinungen weit geöffnet ist, durfte erwartet werden. Auf der einen Seite Verrisse wie „kein Meisterwerk“ (Berliner Tagesspiegel), „Überflüssiges spricht in Zungen zu uns“ (taz) oder „Die Stones sollten eigentlich keine Alben mehr aufnehmen“ (Süddeutsche Zeitung) – auf der anderen Seite Superlative wie „ein wahnsinnig starkes Album“ (Rock Antenne Österreich) oder „Das nächste Spätwerk voller Volltreffer“ (Powermetal). Dass es insgesamt überwiegend positiv bis sehr positiv aufgenommen wurde, unterstreichen die vier von fünf Punkten, die „The Guardian“, „The Independant“, „The Irish Times“ und der Rolling Stone“ vergeben haben; volle fünf bekam „Foreign Tongues“ von „The Telegraph“ und „The Times“. Zu Recht heißt es beim SWR: „Häme … haben die Stones nicht verdient. Man kann immer noch viel Spaß haben mit den Rock’n’Roll-Dinosauriern.“ Und: „Aber sollten sich Jagger, Richards und Wood demnächst von der Bühne verabschieden, haben sie sich bis zuletzt so lebendig gezeigt, wie es in diesem Alter nur geht.“ „Die Rolling Stones … zeigen, dass sie den Rhythmus auch als 80-Jährige noch immer im Blut haben.“ (SRF.ch)
Neben Allgemeinem entzünden sich spannende Diskussionen an Einzelfragen. Drei Beispiele hierfür:
War der 35jährige Andrew Watt als Produzent wieder eine gute Wahl? Hierzu heißt es bei „Powermetal“: „Der Amerikaner versteht es einfach, das beste aus den Dinosauriern der Rockgeschichte herauszuholen.“ Dagegen die Meinung von Laut.de: „Der Mann, der übermotiviert gefühlt alles auf Anschlag produziert.“ Angesichts des entstandenen „druckvollen, zeitgemässen Klangs“ resümiert der SRF.ch: „Am stärksten ist das Album dort, wo der rohe Geist der Stones durchschimmert.“
Wie viele starke Lieder finden sich auf dem Album? Der SWR meint: „Es hätte nicht alle 14 Songs auf ,Foreign Tongues‘ gebraucht. Aber es sind einige Perlen dabei.“ Laut.de äußert: „Vier Songs weniger hätten dem Album spürbar gutgetan.“ Der SRF.ch schließt sogar: „Eine EP hätte gereicht.“
Und welches der beiden letzten Alben ist nun das bessere? Rock Antenne Österreich denkt, „Foreign Tongues“ habe „vielleicht nicht ganz die Klasse des Vorgängers“. Dagegen sieht Powermetal „minimal die Nase vor dem direkten Vorgänger vorn.“
Wie auch immer – die Rolling Stones haben ein Album abgeliefert, das „alle Facetten ihres Sounds ab[deckt] – Pop, Rock und Blues, gelegentlich auch Country, Funk und Soul. Mal hymnisch und harmonisch, mal brachial und wild.“ (NDR) „Kaum sind sie in ihren Achtzigern, sind sie so produktiv wie zuletzt in den Achtzigern.“ (Laut.de) Genießen wir es!!
Wolfgang W. Schüler