Stones-Konzert literarisch verarbeitet
Christian Berkel

Christian Berkel, bekannter deutscher Schauspieler, hat ein Romandebüt gegeben, das bei Kritikern Begeisterung auslöste. Seine Familiengeschichte, die er sowohl realistisch als auch fiktional erzählt und als Trilogie „Der Apfelbaum“ (2018), „Ada“ (2020) und „Sputnik“ (2025) vorlegt, ist eine Drei-Generationen-Saga vor dem Hintergrund eines Jahrhunderts deutscher Geschichte. Eine, wie die FAZ lobt, „dramatische Liebes- und Familiengeschichte, hervorragend erzählt.“

Im Mittelpunkt des zweiten, rund 400 Seiten starken Bandes, steht Ada, Berkels‘ fiktive, ältere Schwester. Sie ist auf Identitätssuche und kämpft gegen das Schweigen der Elterngeneration an. Im Dunstkreis von Wirtschaftswunder, Mauerbau und 68er-Bewegung geht der in Berlin spielende Erzählstrang auch auf das Jahr 1965 ein.

Im Kapitel „Die Steine, die alles ins Rollen brachten“ (S. 254-272) erfährt Ada aus der BRAVO von der bevorstehenden Deutschlandtournee der Rolling Stones und versucht Eintrittskarten zu ergattern, die es nicht mehr gibt. Derweil lässt der Bruder die Stones-Single „I can’t get no satisfaction“ rauf und runter laufen, sobald zuhause die Luft rein ist. Als der Vater ihn dabei erwischt, ihn zudem in „krankhaft ekstatischem Zustand“ Luftgitarre spielen sieht, ist er so schockiert, „als wäre gerade der Dritte Weltkrieg ausgebrochen“. Währenddessen wird die Mutter von der Sorge gequält: „Werd‘ mir kein Gammler!“

Wie Ada zwischen berittener Polizei dann doch noch in die Waldbühne gelangt und wie sie das im Tumult untergehende Konzert der Stones erlebt, erzählt Christian Berkel in der Folge. Für den Leser ist es, als wäre er mit dabei gewesen.

Wolfgang W. Schüler

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